Tag 1 – Apokalypse

Heute ist der bisher beste Tag meiner Wanderung – aber auch nur, weil es der erste ist. Bon Camino am Arsch! Es schifft wie blöde – teilweise so stark, dass es auf der Haut schmerzt, ohne aber Hagel zu sein. Das allein wäre sogar noch erträglich. Doch der Regenponcho geht ständig auf (danke dafür, Wind!) und lässt sich nur mühsam wieder schließen. Da ich keine einzige Minute ohne Regen erlebt habe, war es mir, eingedenk der Wasserempfindlichkeit meines ach so klugen Handgeräts, auch nicht möglich, Fotos zu schießen. Das alles ist aber immer noch nicht das Schlimmste. Denn ich befinde mich derzeit in der Albergue Capitan Tximista. Mein erster Eindruck davon ist eigentlich sehr positiv, doch befindet sie sich in Jaizubia, was laut meinem Reiseführer 3,7 Kilometer von Irun, meinem Startpunkt, entfernt ist. Mein kleiner, cleverer Computer sagt mir aber, dass ich heute bereits 18,66 Kilometer gelaufen bin, was in etwa wiedergibt, welche Mini-Odyssee ich hinter mir habe. Die Beschreibungen im Reiseführer helfen vor allem dann weiter, wenn man bereits auf der richtigen Strecke flaniert. Zum Wiederfinden des Weges gibt es kaum Hinweise. Also befragte ich Google Maps, und dieses Meisterwerk hochtechnologischer Kunst wollte mich doch allen Ernstes die Autobahn entlang schicken (ja, ich hatte „zu Fuß“ ausgewählt).

Nach dem Überqueren einer Brücke beim Treppenabstieg hat’s mich dann aufgrund der Glätte erstmal umgehauen und als Fortbewegungsmittel trat statt der Füße mein Allerwertester in Erscheinung (soviel zu „am Arsch“). Kaputt ist glücklicherweise nichts gegangen, weder im Rucksack noch im Körper, symptomatisch war’s trotzdem. Mit dem Finden der inneren Ruhe hat es also bisher noch nicht so hingehauen.

Erst ganz zum Schluss meines heutigen Weges bin ich dann tatsächlich auf Wegweiser gestoßen, die auf den Camino de Santiago hinwiesen. Und von da an wurde es auch immer besser. Die Herberge ist, wie bereits angedeutet, durchaus angenehm, das Personal sehr freundlich, meine Kleidung trocknet gerade, und ich dann auch, wenn ich gleich geduscht haben werde.

Betrachten wir es also positiv: Es kann nur besser werden. Und ein Gutes hat es tatsächlich: So werde ich erst einen Tag später Donostia-San Sebastián erreichen, was die Chancen auf gutes Wetter (oder zumindest besseres – wir wollen ja mal bescheiden bleiben) erhöht.

P.S.: Ihr, die ihr mich aufgrund meines Weges beneidetet, wollt ihr immer noch mit mir tauschen?

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2 Kommentare zu „Tag 1 – Apokalypse“

  1. Also das hat doch was von einer Wanderung auf Hiddensee…. Regen ohne Ende, Wind,…. 🙂
    Viel Erfolg weiterhin und ich drück die Daumen für besseres Wetter!!!

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